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Sonic Sites: SCORE und FATHOM


Zwei neue Formate zwischen experimenteller Musik, Installation, Sound und Text in der Johanneskirche Offenbach

Mit SCORE am 29. August und der Ausstellung FATHOM vom 18. bis 26. September setzt Sonic Sites sein Programm in der Johanneskirche Offenbach fort. Beide Formate begreifen den Kirchenraum nicht als neutrale Kulisse, sondern als akustischen, architektonischen und sozialen Resonanzraum: einmal als Konzertabend, einmal als eine über mehrere Tage erfahrbare Installation.


SCORE – Ambient und experimentelle Live-Musik


Auf Einladung von Luca Ganz kuratieren Pauline Schey und Theresa Weisheit einen Abend mit Hannah Endrulat & Cavid Dhen, ASKA und 22stain. Mit ihrem Format SCORE entwickeln Schey und Weisheit Situationen des gemeinsamen Hörens zwischen Listening Bar, Konzert und temporärem sozialen Raum. Für Sonic Sites übertragen sie diesen Ansatz in die Johanneskirche: Ambient, experimentelle Elektronik, Stimme und Live-Performance treffen auf Nachhall, Höhe und Atmosphäre des Raums.


Hannah Endrulat & Cavid Dhen arbeiten als Duo Liedleid mit historisch überliefertem Liedmaterial, Stimme, Blasinstrumenten, Elektronik und Improvisation. Vorhandene musikalische Formen werden dabei nicht rekonstruiert, sondern verschoben, zerlegt und in neue klangliche Beziehungen gesetzt.


ASKA verbindet Clubästhetik und Rock zu einem unmittelbaren Live-Format. Elektronische Produktion, Stimme und dekonstruierte Songstrukturen zwischen Dunkelheit, Energie und gefallenem Pop-Star.


22stain arbeitet zwischen fragilem Ambient-Songwriting, reduzierter Elektronik und emotional aufgeladenem Pop. Das 2026 auf dem Kopenhagener Label katharsis erschienene Debütalbum isolationship entwickelt aus Stimme, Texturen und räumlichen Fragmenten eine intime, zugleich instabile Klangwelt.


SCORE versteht den Abend damit weniger als Abfolge einzelner Konzerte denn als gemeinsam komponierte Hörsituation: Die Kirche wird zum Instrument und zum sozialen Raum, in dem sich Musik, Architektur und Publikum gegenseitig verändern.


FATHOM – X Breidenbach mit Mahmoud Tarek


Mit FATHOM wird die Johanneskirche über neun Tage zum Ausstellungsraum. Im Zentrum steht eine 5,70 Meter hohe und 2,40 Meter breite Arbeit von X Breidenbach aus Asche und Wachs auf handgeschöpftem Papier. Ergänzt wird sie durch eine eigenständige Sound-Position von Mahmoud Tarek und eine Text-Position von Holm-Uwe Burgemann. Material, Klang und Sprache bilden drei gleichberechtigte Ebenen, die sich über Maßstab, Nachhall und Bewegung im Raum miteinander verschränken.


Der Titel FATHOM bezeichnet im Englischen zugleich ein historisches Tiefenmaß und den Versuch, etwas zu ermessen oder zu durchdringen. Diese Doppelbewegung prägt die Ausstellung: Tiefe erscheint als räumliche Erfahrung und als Frage danach, wie Material, Geschichte und Bedeutung überhaupt lesbar werden.

X Breidenbach (*1986 in Langen bei Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Offenbach) untersucht in der konzeptuellen Praxis, wie Materialien zirkulieren, sich verwandeln und in ökologische, ökonomische und soziale Systeme eingebunden sind. Dabei erscheint Nachhaltigkeit nicht allein als Sujet, sondern als konkrete Bedingung künstlerischer Produktion: Herkunft, Verbrauch, Wiederverwendung, Transport und Vergänglichkeit von Materialien werden zu formgebenden Parametern der Arbeit. In Werkgruppen aus handgeschöpftem Papier, Asche, Wachs oder wiederverwendeten industriellen Materialien verbindet Breidenbach Fragen von Metabolismus und Entropie mit einer Kritik an den Ressourcen- und Logiken des Kunstbetriebs. Die Arbeiten fragen damit zugleich, wie Kunst unter veränderten materiellen Bedingungen produziert, zirkuliert und bewahrt werden kann.


Breidenbach schloss 2017 die Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Andreas Gursky ab und erhielt 2019/20 das New-York-Stipendium der Hessischen Kulturstiftung. Die daraus hervorgegangene Publikation Foundation (13) erschien 2021 bei Distanz und wurde selbst nach hohen ökologischen Produktionsstandards auf Recyclingpapier und mit pflanzenölbasierten Farben hergestellt. Die künstlerische Forschung Breidenbachs wurde unter anderem bei der Berlin Art Week in der Neuen Nationalgalerie, dem Kunstverein Leipzig, der Kunsthochschule Münster und der HfG Offenbach zur Diskussion gestellt. 2024 nahm The Art Newspaper die Arbeit Meditation on Entropy als Beispiel dafür auf, wie sich ökologische Überlegungen unmittelbar in Form, Logistik und Distribution eines Kunstwerks einschreiben können. Zu den jüngeren Ausstellungen zählen unter anderem METABOLE in Frankfurt, REMAINS OF FAITH in Düsseldorf und 2026 TRANSLUCIDERM bei Flats in Brüssel.


Mahmoud Tarek (*1998 in Alexandria, lebt in Frankfurt) arbeitet mit Sound, Film, Fotografie, Druck und Performance. In seiner Praxis untersucht er, wie Landschaften, urbane Räume, Tiere und alltägliche Materialien durch kulturelle Bilder und überlieferte Ordnungen lesbar werden. Seine Arbeiten setzen häufig bei vertrauten Zeichen und Situationen an, um deren Bedeutungen zu verschieben und anthropozentrische Perspektiven instabil werden zu lassen. In seiner Abschlussarbeit an der Städelschule 2025 ging Tarek von symbolisch aufgeladenen Formen wie Landschaft, häuslichen Materialien und Tieren aus und befragte die Bedeutungen, die sich in ihnen sedimentieren. Parallel entwickelte er innerhalb der Städelschule eine eigenständige Soundpraxis, unter anderem im Kontext des Forschungsprojekts Digital Practice / Sound, in Listening Sessions sowie mit installativen und performativen Arbeiten wie Access / Misalignment. Für FATHOM entsteht eine installative Sound-Position, die nicht als Vertonung der Arbeit Breidenbachs funktioniert, sondern ihr eine zweite, zeitliche Materialität gegenüberstellt: Klang zirkuliert durch den Kirchenraum, verändert seine Wahrnehmung und tritt in einen permanenten Dialog mit Papier, Asche und Wachs.


Holm-Uwe Burgemann (*1995) arbeitet als Autor, Kurator und Dozent an den Übergängen von Literatur, Kunst und Gestaltung. Als künstlerischer Leiter von PRÄPOSITION entwickelt er seit mehreren Jahren Formen, in denen Text seine klassische Bindung an Buch oder Lesung verlässt und als räumliches, visuelles und performatives Material erscheint. PRÄPOSITION versteht sich entsprechend als unabhängiges Label für neue Inszenierungen von Literatur und Sprache; seine Projekte entstehen in multimedialen Kooperationen zwischen Schrift, Typografie, Sound, Performance und Ausstellung. Im von Burgemann konzipierten Festival TEXT MATTERS. MATTERS OF TEXT wird Sprache ausdrücklich über ihre Materialität befragt: danach, „aus welchem Stoff“ gegenwärtige Texte bestehen, wie sie sich in unterschiedlichen Medien verkörpern und welche Formen von Öffentlichkeit sie herstellen können. Auch in seinen Lehrformaten an der HfG Offenbach und der Goethe-Universität behandelt Burgemann Schreiben als eigenständige ästhetische Praxis, die zugleich in Dialog mit Kunst und Gestaltung tritt. Für FATHOM entwickelt er eine Text-Position, die daher bewusst weder Wandtext noch Interpretation der übrigen Arbeiten ist. Sprache tritt als dritte materielle Ebene zwischen Bild und Klang: als etwas, das sich im Raum lokalisiert, Wahrnehmung strukturiert und zugleich die Frage stellt, wie Bedeutung überhaupt Form annimmt.

Eröffnet wird FATHOM durch eine Performance der Berliner Ambient-Künstlerin Birthed. Beim Closing gibt es Musik von no marci b2b jogo :3. 


Über Sonic Sites


Luca Ganz (*1996) arbeitet als Künstler, Kurator und Projektentwickler an der Schnittstelle von Sound, Performance, Theologie und sozialem Raum. Seine künstlerische Praxis verbindet ortsspezifische Klang- und Performancearbeiten mit Fragen nach Ritual, Öffentlichkeit und den sozialen Bedingungen von Architektur. Ausgangspunkt ist dabei häufig der konkrete Raum selbst: seine Akustik, seine institutionelle Geschichte, seine symbolische Aufladung und die Frage, welche Formen von Versammlung und Wahrnehmung er ermöglicht.
Ganz studierte Evangelische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt und Freie Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Diese doppelte Ausbildung prägt eine Praxis, in der ästhetische, theologische und gesellschaftliche Fragestellungen nicht getrennt voneinander behandelt werden. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit entwickelt er kuratorische und institutionelle Formate, die Kunst als soziale und räumliche Praxis verstehen und neue Beziehungen zwischen kultureller Produktion, Stadtgesellschaft und bestehenden Infrastrukturen erproben.


Seit 2022 realisiert Ganz verstärkt ortsspezifische Arbeiten und Formate im Grenzbereich von Sound, Performance und Installation. Parallel ist er als Lehrender im Bereich Soziale Kunst an der HfG Offenbach tätig und arbeitet mit ort3 an Projekten zwischen Kulturproduktion, Stadtentwicklung und gemeinwohlorientierter Raumnutzung.
Mit Sonic Sites überträgt Ganz diese Fragestellungen auf den Kirchenraum. Das von ihm initiierte und künstlerisch geleitete Projekt untersucht Kirchen als akustische, soziale und öffentliche Resonanzräume und bringt zeitgenössische Musik, Sound Art, Performance, Ausstellung und Diskurs mit ihrer Architektur, Geschichte und bestehenden Nutzung in Beziehung.


Termine

  • 29.08.2026 · SCORE — 18:00–22:00 Uhr
    Kuratiert von Pauline Schey & Theresa Weisheit
    Live: Hannah Endrulat & Cavid Dhen, ASKA, 22stain
  • 18.09.2026 · FATHOM — Eröffnung — 18:00 Uhr
    Ausstellung mit X Breidenbach und Mahmoud Tarek 
    Mit einer Performance von Birthed
  • 19.09.2026 · FATHOM — Ausstellung geöffnet — 15:00-18:00 Uhr
  • 20.09.2026 · FATHOM — Ausstellung geöffnet — 15:00-18:00 Uhr
  • 22.09.2026 · FATHOM — auf Anfrage
  • 23.09.2026 · FATHOM — auf Anfrage
  • 24.09.2026 · FATHOM — Artist Talk — 18:00 Uhr
  • 25.09.2026 · FATHOM — Ausstellung geöffnet — 15:00-18:00 Uhr
  • 26.09.2026 · FATHOM — Closing — 18:00 Uhr

  • Gefördert durch:

    Evangelische Zukunftsstiftung Frankfurt und Offenbach

    Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach / Finanzausgleich
    
Evangelische Stadt- und Johannesgemeinde Offenbach


    World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026

    Ein Projekt von ort3 im Rahmen der WDC 2026.
    WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

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